Melbourne Reisebericht
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Melbourne Reisebericht

Heisse Tage in Melbourne

Von Lisa und Melina

“Ihr wollt nach Melbourne? Habt ihr euch mal erkundigt, wie heiss es da grad ist?”

Mit Unverstaendnis werden wir immer wieder darauf hingewiesen, dass Melbourne sicher schoen sei (“nur nicht schoener als Sydney “:-)), aber wegen der Hitze da unten grad der letzte Ort, an dem man sich aufhalten moechte. Aber wir sind nur einmal in Australien, unsere Zeit ist begrenzt und wenn wir erst einmal in Agnes Water sind, waere es zu spaet um umzukehren. Wir machen uns also trotz Warnung auf in die zweitgroesste Stadt Australiens.

Wir kommen mit dem Nachtbus aus Sydney. Nachdem wir unser Gepaeck im Hostel verstaut haben, machen wir uns auf den Weg, die Stadt zu erkunden, bevor die Sonne zu heiss wird. Allerdings ist von heiss nichts zu merken. ImGegenteil. Wir tragen noch bis zum Mittag Fliessjacken. Wir koennen unseren Stadtrundgang geniessen und mit kuehlem Kopf feststellen, dass Melbourne irgendwie auch unsere Stadt ist. Wieder einmal alles richtig gemacht!

Die Menschen hier scheinen nicht so busy zu sein wie in Sydney. Alles wirkt irgendwie entspannter und ausgeflippter. Das gefaellt uns.

Uns gefaellt sowieso, dass extra fuer Individualtouristen wie uns :-) ein Free-Shuttlebus zur Stadterkundung zur Verfuegung steht, der einen durch die Strassen faehrt und auch noch erklaert, was wir sehen. Fantstisch! Und das for FREE!!! DAS Lieblingswort eines jeden Backpackers: free internet, free breakfast, free drinks, free entry…

FREE ist auch der Shuttlebus nach Chadstone, ein riesiges Shoppingcenter, das am naechsten Tag unseres sein soll. Denn es wird doch noch richtig heiss, und eine gut akklimatisierte Einkaufshalle ist da ganau das Richtige. Bei 46.2 Grad bleibt mir fast die Luft weg. So etwas hab ich noch nie erlebt. Wahnsinn… Beim blossen Ueberlegen, wie ich mit moeglichst wenig Aufwand den naechsten Laden mit air condition erreiche, komme ich ins Schwitzen.

Im Free Shuttle Bus (ohne air condition) gibt es keinen mehr, der sich anlehen kann und dem nicht der Schweiss in Stroehmen das Gesicht herunter laeuft..

Ein unglaublicher Tag mit einer gespenstischen Atmosphaere: es ist bewoelkt, der Wind ist so heiss, als ob er direkt aus dem Ofen kaeme und so stark, dass man sich wie in einer Westernstadt (n)irgendwo in Amerika fuehlt. Nur dass keine Heuballen ueber die verlassenen Strassen rollen. Dafuer aber alles andere, was nicht niet- und nagelfest ist, selbst Ladenschilder brechen ab und fliegen auf und davon.

Spaeter hoeren wir im Radio, dass dieser Tag der heisseste in der Geschichte Victorias gewesen sein soll. Und wir waren dabei!!! Leider war es auch der Tag, an dem die Buschfeuer begannen.

Gegen spaeten Nachmittag verdunkelt sich der Himmel und der Wind wird staerker, leider nicht kuehler. Das sieht verdammt nach Regen aus. Und ploetzlich, ohne Ankuendigung, bricht der Himmel auf und es schuettet wie verrueckt. Melbourne scheint erloest worden zu sein.

Gut, dass es nach dem Regen tatsaechlich kuehler geworden ist, denn am naechsten Tag geht hier das St. Kilda Festival zu Ende und da muessen wir unbedingt hin. Wie koennten wir auch als echte Backpacker anders: ist ja for FREE.

Und wir haben mal wieder alles richtig gemacht: Wir sind umgeben von tausenden gut gelaunten, hippen, feierwuetigen Menschen jeden Alters aus unterschiedlichsten Nationen. Von ueberall kommt Musik. Ob von Buehnen oder Workshops, die an jeder Strassenecke stattfinden. Von Salsa ueber Rock, Hip Hop und Pop bis hin zu elektronisch unterlegten Didgeridooklaengen ist alles vorhanden.

Menschentrauben versammeln sich um Strassenkuenstler, von denen ich witziger Weise einen aus Sydney schon kenne, oder tanzen hemmungslos zur jeweiligen Musik. Alkohol ist offiziell verboten (in Deutschland auf nem Festival unvorstellbar). Kaum jemand haelt sich dran, aber trotzdem bleibt alles friedlich. Absolut amazing!

Und als waere das nicht schon ausreichend Grund zur Freude, setzt die atemberaubende Kulisse dem Ganzen noch Einen drauf: Wir setehen vor einer Buehne, hinter der die Sonne scheinbar im Meer versinkt.

Hinter uns wehen Palmen im Wind, die sich wiederum vor der gigantischen Skyline Melbourne’s befinden. Und wir sind live dabei, wenn sich bekannte und neue australische Kuenstler auf der Buehne abwechseln.

Schonmal was von “The Angels” oder “Jackson Jackson” gehoert? Das ganze Spektakel interessiert uns Individualtouristen  ungemein. Wir sind mittendrin und haben endlich unseren langersehnten local contact. Koennte es dafuer einen schoeneren Ort geben? Wir freuen uns, denn wir haben mal wieder alles richtig gemacht!

Nach nur fuenf Tagen verlassen wir Melbourne ungern. Aber unser erster Job winkt. Hostels und Shoppingtouren sind leider nicht for free. Die Dollarzeichen in den Augen blinken. Also wieder in Richtung Norden, wo auch irgendwo Sydney liegt.

Zum Glueck ist Liebe keine Tafel Schokolade, die irgendwann verbraucht ist. So muessen wir uns nicht zwischen Melbourne oder Sydney entscheiden, sondern koennen beide grossartig finden.